Artgerechte Haltung: Käfige und Gehege für Kleinsäuger (nach TVT e.V. Norm)

Haustierhaltung ist sicherlich nicht unumstritten. Alle Tiere, die in Gehegen und Käfigen ihr Dasein verbringen, sind letztlich Wesen in Gefangenschaft, die von ihrer natürlichen und artgerechten Umgebung abgeschnitten wurden. Am häufigsten trifft dies sicherlich auf die Gruppe der Kleinsäuger zu, auf welche ich hier ein besonderes Augenmerk lege.
Deshalb: wenn dauerhaft gewährleistet sein soll, dass sich Kleinsäuger in häuslicher Umgebung sicher und wohl fühlen, dann ist die Größe des Käfigs oder des Geheges - neben einer individuellen artgerechten Ausstattung sowie die zur Verfügung stehenden Sozialpartner versteht sich - der wichtigste Faktor.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. hat sich - neben weiteren tierschutzorientierten Organisationen - zusammengefunden, um mitunter die sozial- und flächenbezogenen Mindestanforderungen* für die Unterbringung bestimmter Tierarten zu ermitteln. Die Idee hinter den Mindestanforderungen ist letztlich jene, dass jede Tierart ein bestimmtes natürliches Bedürfnis an Bewegungsraum hat, und ebenso auch genügend Rückzugsmöglichkeiten zur Erholung benötigt. Dieser Umstand ist auch für den gesunden Metabolismus eines jeden Tieres - und auch eines jeden Menschen - von essentieller Bedeutung.

 Dabei ist grundsätzlich davon auszugehen, dass...

  • die Haltungsumgebung für die jeweilige Tierart immer entsprechend temperiert ist 
  • Käfige niemals mitten im Raum stehen sollen, sondern immer dicht an einer Wand, idealerweise gar in einer Ecke
  • Käfige niemals direkter Sonneneinstrahlung oder Durchzug ausgesetzt sein dürfen
  • Käfige nicht direkt vor Heizungen stehen sollten (außer diese sind nicht im Betrieb)
  • die Haltungsumgebung möglichst ruhig gewählt ist, also kein Durchgangsverkehr oder Dauerbeschallung durch TV oder Radio 


In eigener Sache:
Sollte man die räumlichen Mindestanforderungen nicht gewährleisten können und Tiere dennoch in beengten Käfigen und Gehegen halten, dann treten meist häufig und unmittelbar Verhaltensstörungen auf Tierseite zutage. Ich appelliere hier an den hoffentlich gesunden Menschenverstand eines jeden Halters, in solchen Fällen bitte Abstand von einer Haustieranschaffung zu nehmen !

Um der Gefahr einer unsachgemäßen Haltung vorab so weit wie möglich aus dem Wege zu gehen, unten anbei eine kurze Übersicht der minimalsten Haltungsnormen und Maßvorgaben der TVT e.V. für die gängigsten Kleinsäuger. 


Ausführliche Infos zu sämtlichen Tierarten erhaltet ihr auf www.tierschutz-tvt.de.
Und speziell zu Kleinsäugern hier: Merkblätter Kleinsäuger.

[*= die unten aufgeführte Maße und Größenangaben belaufen sich auf Länge x Breite x Höhe]

Kaninchen

Haltungsform:
Gruppe von min. 2 Tieren, optimal ab 4 Tieren plus

Grundfläche Gehege:
min. 6m² für 2 Tiere,
jedes weitere +0,5m²

Mindestmaße Käfig:
150 x 60 x 50 cm
für 2 Tiere. Für jedes weitere Tier min. 20% Fläche dazu

Meerschweinchen

Haltungsform:
Gruppe von min. 2 Tieren, optimal ab 4 Tieren plus

Grundfläche Gehege:
min. 2m² für 2 bis 4 Tiere, jedes weitere +0,5m²

Mindestmaße Käfig:
120 x 60 x 50 cm
für 4 Tiere. Für jedes weitere Tier min. 0,5m² Fläche dazu

Farbratten

Haltungsform:
Gruppe von min. 3 Tieren, optimal ab 4 Tieren plus

Käfighaltung (flach):
min. 100 x 50 x 100 cm 
für 3 Tiere, jedes weitere Tier min. +20% Fläche


Käfighaltung (Turm):
min. 80 x 50 x 120 cm
für 3 Tiere, jedes weitere Tier min. +20% Fläche

Weiteres:
Ratten sind unglaublich soziale Tiere, die auch die Nähe ihres Halters suchen und dadurch sehr schnell zahm werden können.
Entsprechend benötigen sie viel Aufmerksamkeit und viele Möglichkeiten zur Beschäftigung.
Als Halter sollte man sich daher täglich mindestens 1 Stunde Zeit nehmen, um mit den Tieren außerhalb ihres Käfigs zu spielen und zu kuscheln

Goldhamster

Haltungsform: 

ausschließlich alleine,
außer zur Verpaarung

Mindestmaße Gehege:
100 x 50 x 50 cm

Anmerkung:
Der Deutsche Tierschutzbund e.V. empfiehlt min. 1m² Grundfläche, was durchaus ratsam ist

Weiteres:
Hamster legen auf ihrer Futtersuche gewöhnlich in der Nacht bis zu 10 km an Strecke zurück !

Wenn kein zusätzlicher weitläufiger und sicherer Auslauf dem Tier geboten werden kann, dann darf ein großes Laufrad (Durchmesser min. 28 cm) aus Holz - in welchem das Tier mit geradem Rücken laufen kann - auf keinen Fall fehlen

Zwerghamster

Haltungsform: 

mit wenigen Ausnahmen ausschließlich alleine

Mindestmaße Gehege:
100 x 50 x 50 cm

Weiteres:
auch Zwerghamster legen in der Nacht teils sehr große Strecken zurück. Zusätzlicher Auslauf ist aufgrund der Größe dieser Tiere aber nicht ganz so einfach zu gewährleisten. Und zudem auch nicht ganz ungefährlich, da die Tiere Höhen schlecht einschätzen können ! Daher ist Auslauf nur unter strikter Aufsicht zu empfehlen. 
Auch hier sollte dem Tier ein möglichst großes Laufrad aus Holz (am besten mit Korkfläche innen) angeboten werden, in welchem das Tier mit geradem Rücken gut sprinten kann

Degus

Haltungsform:
Gruppe von min. 2 Tieren,
optimal ab 4 Tieren plus

Grundfläche Gehege:
min. 100 x 50 x 100 cm
für 2 bis 4 Tiere.
Danach für je 2 weitere Tiere Grundfläche um 50% erweitern

Wichtig:
Degus niemals am Schweif halten oder ziehen ! Dieser ist am Quastenansatz von Natur aus mit einer Soll-Bruchstelle versehen, um Feinden zu entkommen, die es am Schwanz packen.

Ein Schwanzabriss ist für das Tier durchaus sehr schmerzhaft. Stellt jedoch keine akute Lebensgefahr dar, sofern die Wunde gut durch einen Tierarzt versorgt wird.
Der Schwanz kann leider nicht wie der einer Eidechse nachwachsen und ist für immer verloren. Der übrige Rest vom Knochen wird vom Tier nach und nach selber abgenagt.

Problematisch wird es für das Tier, weil die Quaste wichtiger Bestandteil seiner Körpersprache ist. Es kann sich nun nicht mehr vollständig mit seinen Artgenossen verständigen.
Ebenso führt eine fehlende Quaste zu Einschränkungen beim Klettern. Der Schwanz dient dem Tier auch als Instrument für seine Balance, die nun auf Dauer beeinträchtigt ist.

Chinchillas

Haltungsform:
Gruppe von min. 2 Tieren, optimal ab 4 Tieren plus

Mindestvolumen Käfig:
3m³ für 2 Tiere,
jedes weitere +0,5m³

Wichtig:
Käfighöhe 150 cm und Käfigbreite 50 cm sollten nicht unterschritten werden!
Die Behausung sollte zudem mindestens 3 Etagen beinhalten, die für die Tiere im Sprung ungehindert zu erreichen sind.

Ebenfalls wichtig:  Veränderungen im Käfig, insbesondere eine Neuanordnung von Ebenen, sollten nach und nach vorgenommen werden und nicht auf einmal erfolgen. Chinchillas springen gerne von Ebene zu Ebene und müssen sich auf neue Abstände und Dimensionen einstellen können. Sonst kann es zu Verletzungen führen

Frettchen

Haltungsform:
Gruppe von min. 2 Tieren oder mehr

Mindestmaße Gehege:
6m² Grundfläche und
150 cm Höhe für 2 Tiere, für jedes weitere Tier min. 1m² Grundfläche hinzufügen

Anmerkung:
Die Haltungseinrichtung sollte über mehrere Ebenen erfolgen, die z.B. über Rohre oder Rampen miteinander verbunden sind

Farbmäuse

Haltungsform:
Gruppe von min. 4 Tieren, optimal ab 6 Tieren plus

Mindestvolumen Käfig:
80 x 50 x 80 cm
für 6 Tiere, für jedes weitere Tier Grundfläche etwa 10%** erweitern

Sehr wichtig:
Mäuse bitte generell nicht in einem Terrarium oder ausgedienten Aquarium halten, da dort der Austausch von Luft nicht optimal gewährleistet ist.
Der Urin von Mäusen enthält viel Ammoniak, dessen aggressive Dämpfe schwerer als Luft sind und sich entsprechend am Boden konzentriert ansammeln. Die Mäuse bekommen davon Atemprobleme, können im schlimmsten Fall sogar ersticken !

Es gibt im Handel sog. Nagarien, die an der Seite ein Gitter eingelassen haben, welches den Austausch der Luft begünstigt. 


** = wenn das Gehege zu groß bemessen ist besteht Gefahr, dass die Mäuse anfangen sich in Gruppen aufzuspalten und ihr auserwähltes Territorium dann entsprechend gegen "Fremdmäuse" verteidigen. Das kann zu teils schweren Verletzungen unter den Tieren führen. Daher immer gut beobachten, ob alle Mäuse untereinander noch als eine soziale Gruppe agieren



Vielzitzenmäuse

Haltungsform:
Gruppe von min. 4 Tieren, optimal ab 6 Tieren plus

Mindestmaße Gehege:
140 x 50 x 100 cm
für 4 Tiere, für jedes weitere Tier Grundfläche etwa 10%*** erweitern 


Vorsicht:
diese Tiere besitzen eine enorme Sprungkraft und können ansatzlos 40 cm und mehr in die Höhe schnellen wenn sie in Bedrängnis oder Stress geraten. Daher empfiehlt sich immer die Haltung in einem Gehege mit z.B. Gitterabdeckung

*** = der TVT e.V. erließ bisher keine individuellen Mindestanforderungen für Vielzitzenmäuse und verweist stattdessen auf die allgemeinen Angaben unter der Mäusehaltung.
Da VZMs aber im Regelfall deutlich größer sind als gewöhnliche Farbmäuse, so ist eine Anpassung der Maße durchaus angebracht.
Die hier aufgeführten Daten zu den VZMs sind daher teils entliehen von wiki.mausebande.com, und teils meine eigenen Erfahrungen mit diesen Tieren